Profiteure auf Kosten der Allgemeinheit

Die Pachten, die Landwirte in Deutschland für die Aufstellung von Windrädern auf Ackerflächen fordern, steigen drastisch. „Wir werden immer häufiger mit Pachtforderungen konfrontiert, die jenseits des wirtschaftlich Vertretbaren liegen“, sagte Werner Diwald, Vorstand der Enertrag AG, dem „Handelsblatt“. Enertrag zählt zu den führenden Windstromerzeugern hierzulande. Viele Projektentwickler ließen sich auf die Forderungen ein. Sie müssten ihre laufenden Kosten decken und nähmen in Kauf, dass sie mit einem Projekt wegen der hohen Pachten unter dem Strich nichts mehr verdienten, sagte Diwald weiter.

Landwirte wollten aktuell in der Spitze mit bis zu zwölf Prozent an den Stromerträgen eines Windrads beteiligt werden, berichten Branchenkenner.

Für ein Windrad, das an einem durchschnittlichen Standort in Deutschland pro Jahr rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom produziert, ergeben sich so Pachteinnahmen von rund 60 000 Euro pro Jahr. An windreichen Standorten in Norddeutschland sind aber auch 90 000 Euro möglich. Noch vor wenigen Jahren waren sechs Prozent die Regel. Doch die Landwirte haben ihre Pachtforderungen kontinuierlich erhöht, weil geeignete Standorte rar sind. Die Ausweisung neuer Flächen für die Windkraft geht aus Sicht der Windkraftbranche nicht schnell genug voran.

Gerade an weniger ertragreichen Standorten im Süden Deutschlands können überzogene Pachtforderungen den Ausbau der Windkraft behindern“, sagt Christoph Markl-Meider von Ostwind. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren 80 Projekte mit 465 Windrädern projektiert und entwickelt. Nur mit einem zügigen Ausbau der Windkraft ist ein weiter wachsender Anteil der erneuerbaren Energien vorstellbar